Deine Räume verbessern Deine Beziehungen

Wir bauen ein gemeinsames Nest, das kennen Viele, und machen sich daran ein Haus zu bauen. Der Beziehungsaspekt ist aber bei jeder Raumgestaltung ein Thema. Auch wenn man als Single lebt, bekommt man Besuch und hat eine Nachbarschaft. Deine Räume verbessern Deine Beziehungen, weil Räume eine Grundtatsache unseres Lebens sind, mit der wir kommunizieren.

Dieser Kommunikation können wir uns auch nicht entziehen. Watzlawicks „man kann nicht Nicht-Kommunizieren“ bedeutet damit auch, Deine Räume sind immer auch eine Botschaft an deine Mitmenschen. Deine Räume können einladend oder abweisend sein, sie können offen oder verschlossen sein und sie werden immer auch etwas über Dich selbst aussagen. Wenn Du jemanden zu Dir nach Haus einlädst, dann wird diese Person merken, ob hier Raum für einen Besuch ist. Wenn dieser Raum (ev. das Esszimmer) mit privaten Symbolen (Dingen) übersät ist, dann wir der Besucher den Eindruck gewinnen, hier eigentlich nicht hin zu gehören. Damit entsteht dann ein Unbehagen, das sich auf die Kommunikation mit Deinem Besuch auswirken wird. So entsteht kein ungezwungenes Gespräch und verhindert vielleicht, dass sich aus einem Kontakt eine Freundschaft entsteht.

Der persönliche Raum und der Beziehungsraum

Wir alle brauchen auch einen ganz privaten Raum, ein Raum, wo wir ganz wir selbst sein können. Nur hier werden wir keine Beziehungen pflegen. Hier ist unsere persönliche Nische, die uns Kraft und Erholung bietet. Nachdem dies heute nicht unser Thema ist, wenden wir uns wieder unserem Beziehungsraum zu.

Jeder Deiner Räume, den Du mit anderen teilst ist ein Beziehungsraum. Wie der Raum gestaltet ist, drückt Deine Beziehung zu den Anderen aus. Ist der Raum unklar in der Nutzung, wird auch die Beziehung unklar werden. Ist der Raum behaglich, wird auch die Beziehung entspannt sein. Diese Zusammenhänge ergeben sich aus der Stimmung, die Deine Räume bei Dir und Deinen Mitmenschen bewirken. Somit kannst Du mit der Raumgestaltung die Beziehungsqualität beeinflussen. Machen wir dies bewusst und in der richtigen Weise kann man sagen: „Deine Räume verbessern Deine Beziehungen“. Wir haben natürlich zu allen Menschen unterschiedliche Beziehungen. Hier wollen wir uns den wichtigsten Beziehungen in unserem Leben zuwenden, denen zu unserer Familie, zu unseren Kindern und zu unseren Partnern. Dabei will ich diese Begriffe jedoch sehr weit fassen. Familie sind alle Menschen, denen wir uns eng verbunden fühlen und Kinder sind alle jungen Menschen, um die wir uns kümmern.

Familien – viele Bedürfnisse unter einem Hut

Im Zusammenleben mit der Familie stellen sich einige ganz konkrete Herausforderungen. Jeder Mensch möchte abwechselnd Kontakt und Rückzug, jeder Mensch möchte Nähe und Distanz auf individuelle Art und Weise regulieren. Wir haben auch das Bedürfnis unsere Umwelt kontrollieren zu können, also auf unsere Bedürfnisse abstimmen zu können. Ist uns heiß, wollen wir Erfrischung, ist es zu dunkel, brauchen wir mehr Licht. Weiters wollen wir uns sicher und geborgen fühlen und wir wollen uns erholen können. Diese unsere Grundbedürfnisse für mehrere Menschen unter einen Hut (oder unter ein Dach) zu bringen, ist nicht einfach. Dazu kommt noch, dass sich für jeden einzelnen die Bedürfnisse sehr rasch verändern können. Somit kann es für das Zusammenleben nur einen Lösungsweg geben. Wir sollten möglichst viele Regulations- und Anpassungsmöglichkeiten berücksichtigen. Wir brauchen Zonen in der Wohnung die eine Abstufung vom Eingangsbereich, über die Gemeinschaftsflächen (Kochen / Essen / Wohnen) hin zu den privaten Rückzugsräumen. Stimmt diese Abfolge nicht, indem sich ein Schlafzimmer direkt neben dem Eingang befindet, wird auch die Regulation von Privatheit schwierig werden.

Neben der Raumanordnung spielen Regulationsmöglichkeiten für Licht, Temperatur und Einblick eine große Rolle. Viele Häuser und Wohnungen haben große Glasflächen, die gelegentlich eine Abschattung oder auch Blickschutz brauchen. Im Artikel „Deine Räume geben Dir Sicherheit“ habe ich die unterschiedlichen Varianten bereits beschrieben. Zusammenfassen können wir sagen:

Familien brauchen viele Regulationsmöglichkeiten um den unterschiedlichen Bedürfnissen möglichst gut entsprechen zu können.

Kinder – ganz andere Bedürfnisse

Die Bedürfnisse von Erwachsenen sind sicherlich unterschiedlich, unterscheiden sich in der Regel aber nicht so stark, wie die Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern. Hier einige Beispiele:

Kleinere Kinder (in etwa bis zum Schuleintritt) wollen viel Nähe und auch dann, wenn sie sich weg bewegen um etwas zu erforschen, wollen sie sich immer wieder der Nähe von Mutter oder Vater vergewissern können. Dies verlangt einen Familienraum, der das Spielen in räumlicher Nähe ermöglicht. Optimal ist es, wenn sich im Familienraum eine Spielfläche mit Stauraum befindet, damit die Kinder Spielsachen auch mal liegen lassen können und etwa eine Konstruktion nicht sofort wieder weg räumen müssen.

Kinder entwickeln sich mit dem Spielen und werden damit Unordnung erzeugen und Schmutz in die Wohnung bringen. Eine gute Lösung ergibt sich dann, wenn der Gemeinschaftsbereich in zumindest zwei Räume unterteilt ist, einen wo das Alltagsleben stattfindet und wo das Spielen, Unordnung und Schmutz sein dürfen und ein anderer Raum, der eher dem Rückzug, der Ruhe und dem Abschalten vorbehalten ist. Moderne Grundrisse bringen diesbezüglich häufig ein starkes Konfliktpotential mit sich.

Deinen Paarraum gestalten

Wenn wir an Beziehungen denken, so verbinden wir damit meist die Paar – Beziehung. Aber gerade diese Beziehung hat außer dem Schlafzimmer meist keinen Raum. Es gibt meist keinen Paarraum in einer Wohnung oder Haus, der dem gemeinsamen Gespräch und dem Zusammensein dient. Sich einen gemeinsamen Paarraum zu gestalten, der für beide Partner optimale Voraussetzungen bietet, verlangt natürlich eine intensive Diskussion zu den Wohnbedürfnissen. Besonders bedacht werden sollten diese Fragen:

  • Wie nutzen wir den Raum?
  • Welche Farb- und Lichtgestaltung wünschen wir uns?
  • Wieviel Blickschutz brauchen wir hier?
  • Welche Materialien / Oberflächen wünschen wir uns hier?

Wichtig dabei ist, dass beide Partner sich zuerst für sich Gedanken zum Paarraum machen und erst dann der Austausch passiert. Sonst gehen Wünsche schnell verloren und das Ergebnis entspricht nicht den Erwartungen.

Raumkultur = Beziehungskultur

Beziehungsräume zu gestalten ist also immer Kommunikation und Austausch. Ob Sie gemeinsam ein Haus bauen, gemeinsam eine Wohnung kaufen oder einen Paarbereich gemeinsam gestalten, immer steht die Kommunikation, also die Beziehung an erster Stelle.

Durch Räume drücken wir unsere Wertschätzung aus, mit Räumen schaffen wir Gemeinsamkeit, oder kurz zusammen gefasst: mit Räumen schaffen wir Beziehungen.

Erkenntnisse zum Thema Licht

Eine neue wissenschaftliche Studie belegt ganz eindeutig den Zusammenhang von Raumgestaltung und Beziehung.

Forscher von der Universität Hohenheim in Deutschland haben, in einer Studie aus dem Jahr 2017, folgendes herausgefunden: Menschen die sich in einem Raum mit warmen Licht befinden, kooperieren mehr, und gehen mehr auf andere Menschen ein. Diese Erkenntnis kannst Du für Dich nutzen:

Überall, wo Du viel mit anderen Menschen sprichst, ob in der Arbeit oder Zuhause, kannst Du Lampen verwenden, die eine Lichtfarbe von 3000 Kelvin oder weniger haben. Die Gespräche werden dadurch offener und einfühlsamer. So kannst Du vielleicht auch einen grantigen Chef austricksen.

Viel Freude bei der Gestaltung Deiner Räume und Deiner Beziehungen wünscht

Herbert Reichl

 

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