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Wohnkonflikte lösen

Viele Paare streiten häufig über die sogenannten Kleinigkeiten des Alltags, wie etwa eine offene Zahnpastatube. Diese Kleinigkeiten des Alltags haben viel Macht über unsere Stimmungen und Emotionen, weil sie uns täglich, also immer wieder treffen und wir kaum eine Möglichkeit haben ihnen zu entrinnen. Jeden Morgen und jeden Abend benutzen wir unser Bad und sind damit konfrontiert, dass unser lieber Partner wieder mal nicht die Zahnpastatube zugeschraubt hat. Jede/r von uns kennt dies in einer anderen Version. Manche sind dabei gelassener, manche sind aufbrausender, aber wir alle kennen diese Dinge. Die gute Nachricht lautet – Wohnkonflikte lassen sich relativ einfach lösen.

 

Ein neues Seminarkonzept

Vor einiger Zeit habe ich, gemeinsam mit einer Expertin für Paar-Coaching, ein Seminar mit dem Titel „Beziehungs-Räume – Wohnen für Paare“ gehalten. Die Grundabsicht zu diesem Seminar war es, Paaren Methoden in die Hand zu geben, mit denen sie  Ihre Beziehung und gleichzeitig die Wohnqualität Ihres gemeinsamen Zuhauses verbessern können. Wir arbeiteten also mit Methoden, die helfen Wohnkonflikte zu lösen. Das Ziel war es, einen gemeinsamen Paar Bereich, einen Beziehungs-Raum zu planen.

Wir alle, die teilnehmenden Paare, meine Kollegin Ute Giffey und ich, waren erstaunt, was dies alles bewirkt hat. Daher möchte ich Dir einen kurzen Abriss dessen geben, was wir im Seminar gemacht haben.

 

Individualität und Partnerschaft

„Wohnen ist die Art und Weise des in der Welt Seins“. Dieser philosophische Satz stammt von Martin Heidegger. Was aber passiert, wenn zwei Menschen zusammen wohnen. Hier treffen zwei Welten aufeinander, die sich erst aneinander angeleichen sollten. Partnerschaft bedeutet, sich gegenseitig zu unterstützen. Was aber passiert, wenn diese „Art und Weise des in der Welt Seins“ nicht so ganz zusammen passen will, obwohl man sich liebt. Viele Paare sind der Meinung, ihre Beziehung funktioniere besser, wenn sie nicht zusammen wohnen. Es ist durchaus begründet und nachvollziehbar. Die familiäre und die finanzielle Seite, lässt diese Lösung jedoch meist nicht zu. Außerdem haben doch die meisten Paare den Wunsch zusammen zu leben (zu wohnen). Damit stellt sich also die Frage, wie wir mit Wohnkonflikten umgehen können, damit diese nicht unsere Beziehung stören bzw. zerstören.

 

Wie Wohnkonflikte entstehen

Jedem Konflikt liegen Bedürfnisse zugrunde. Konflikte entstehen nur, wenn sich (scheinbar) zwei Bedürfnisse entgegenstehen. Im Seminar haben wir dies anhand des Beispiels vom Kachelofen durchgespielt. Die Frau hat beim Hausbau den Wunsch nach einem Kachelofen geäußert, der Mann will schauen, dass sie das Budget nicht überschreiten. Zwei verständliche Wünsche. Bleiben wir hier stehen, so wird dieser Konflikt trennend wirken, also die Beziehung stören. Wir sind jedoch einen Schritt weiter gegangen und haben die Situation hinterfragt.

Wir fragen was hinter den Wünschen steckt. Dabei haben wir entdeckt, dass der Wunsch nach einem Kachelofen aus dem Bedürfnis nach wohliger Wärme und nach einer behaglichen Stimmung entstanden ist. Der Wunsch des Sparens ist entstanden, weil dieses Paar beim Hausbau bereits einige Mehrkosten hat schlucken müssen. Das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit ist also hier das Motiv für die Ablehnung des Kachelofens.

 

Die Lösung des Konfliktes

Konfliktlösung entsteht immer dann, wenn beide Bedürfnisse in einer annehmbaren Weise erfüllt werden können. Häufig versperrt sich dieser Lösungsweg, weil die Erfüllung des einen Bedürfnisses scheinbar die Erfüllung des anderen Bedürfnisses ausschließt.

Es stellt sich somit die Frage, ob wir mit einer Lösung, beide, Bedürfnissen gerecht werden können. In unserem Beispiel ist es so, dass es sogar eine bessere Lösung für die Bedürfnisse der Frau gab, als den Kachelofen. Das Bedürfnis nach Wärme und nach einer behaglichen Stimmung (das Knistern des Feuers) kann von einem anderen Ofen besser erfüllt werden, weil ein Kachelofen sehr lange braucht, um warm zu werden, und weil man hier kein offenes Feuer hat, das ja meist diese behagliche Stimmung erzeugt. So war die Lösung, einen günstigeren Ofen mit Sichtfenster anzuschaffen, hier naheliegend.

 

Wie sind wir zur Lösung gekommen

Spannend wird es wenn wir uns grundsätzlich überlegen, wie man zu Lösungen kommt. Du wirst erstaunt sein, wie einfach es ist. Der Schlüssel besteht in einem einzigen Wort. Dieses Wort heißt „Weil“.

Nur wenn wir bei jedem Wunsch dieses Wort ergänzen entstehen Lösungen.

„Ich will einen Kachelofen“ ist eine Aufforderung diesen Wunsch mitzutragen und gemeinsam zu finanzieren.

„Ich will einen Kachelofen, weil ich mir behagliche Wärme und das Knistern des Feuers wünsche, weil ich das früher auch so erlebt habe, und mir das sehr gut getan hat.“ ist dagegen eine sehr aussagekräftige Botschaft, die nicht nur Verständnis für den Wunsch ermöglicht, sondern auch alternative Lösungen zulässt. Damit sind wir auf einen ganz anderen Weg.

 

Wohnpsychologie und Paarcoaching

Genau diese oben beschriebenen gegensätzlichen Wünsche sind es, die mich auf die Idee gebracht haben, die Wohnpsychologie mit dem Paarcoaching zu verbinden. Ich habe mich natürlich mit dem Vorgehen des Paarcoachings beschäftigt und schnell bemerkt, dass hier Methoden verwendet werden, die Wohnkonflikte lösen können. Eine Methode davon ist der sogenannte „Paardialog“. Dabei gibt es immer einen Sender und einen Empfänger, also eine Person, die mitteilt und eine andere Person, die zuhört. Die erste Person erzählt etwas, was sie / ihn beweg, was es zu lösen gilt. Die zweite Person hört zu, ohne zu antworten, ohne Stellung zu beziehen und zu bewerten. Sehr wohl reagiert die zweite Person, indem sie den Partner ermuntert, mehr zu erzählen und weiteres mitzuteilen. Damit wird das Thema auf immer persönlichere Weise vermittelt und kann beim Empfänger ein wirkliches Verständnis auslösen. Dieses Verständnis ist dann der emotionale Schlüssel zur Konfliktlösung. Treffen zwei gegensätzliche Wünsche aufeinander, wo werde ich den anderen Wunsch nur verstehen, wenn ich genauere Information dazu habe. Dadurch bekomme ich auch mit, wie es dem Anderen geht, was er/sie dabei fühlt usw.

Diese Form des Austausches bewirkt Verständnis und ermöglicht Lösungen, die wir beim Zusammen Wohnen brauchen. Noch mehr brauchen wir diese Lösungen beim Hausbauen, wenn also zwei Menschen daran gehen, ihren individuellen Traum vom guten Leben zu einem gemeinsamen Traum zu verschmelzen.

 

Konfliktlösung beim Hausbau

In der Planung eines Hauses gilt es die unterschiedlichen Bedürfnisse von zwei Menschen zu einem Konzept und schließlich zu einem Plan zu verbinden. Auch hier wenden wir die oben beschriebene Methode an, jedoch weniger im Sinne eines Paarcoachings, sondern im Sinne einer Bedürfnisanalyse. Indem die Bedürfnisse beider Partner genau beschrieben werden, ergeben sich stimmige Lösungen, die dann in die Planung einfließen.

 

Wohnen und Hausbauen ist Beziehungsarbeit

Wir sehen also, ohne den Dialog von zwei Menschen wird der Hausbau genau so wenig gelingen, wie das zusammen Wohnen. Daher geht meine Bitte auch an meine planenden Kolleg/innen und an alle Wohnberater, dieser Beziehungsarbeit Raum zu geben.

Wenn Du wieder einmal entdeckst, dass Wohnkonflikte des Alltags Deine Beziehung stören, verwende das Wörtchen Weil, und schaue was passiert.

Ich finde es sehr spannend von Dir zu hören, welche Erfahrungen Du damit machst. Wenn Du dies mitteilen willst, wo kannst Du hier einen kurzen Kommentar hinterlassen.

 

2 replies
    • Herbert Reichl
      Herbert Reichl says:

      Liebe Uta!
      Danke für Deine Rückmeldung. Ja, das Wohnen ist der Alltag, und hier offenbaren sich die Konflikte. War für uns auch sehr spannend.
      liebe Grüße Herbert

      Reply

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