Deine Räume verbessern Deine Gesundheit

Räume verbessern Deine Gesundheit

Wir gestalten unsere Räume, und so gestalten wir unser Leben. Was hat das mit Gesundheit zu tun? Krankheiten entwickeln sich nicht aus heiterem Himmel, sondern im Kontext unserer Lebensbedingungen. Unsere Räume definieren diese Lebensbedingungen weitgehend und haben daher einen gravierenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Positiv betrachtet bedeutet dies, Deine Räume verbessern Deine Gesundheit. Wir kümmern uns hier also nicht um die Dinge, die krank machen, sondern um die Dinge, die gesund machen. Dafür gibt es auch einen Fachausdruck, nämlich Salutogenese.

Salutogenese, was soll denn das sein?

Eine berechtigte Frage. Nicht nur, dass dieses Wort sehr seltsam klingt, es geht hier auch um eine Denkrichtung, die  unserer Kultur und Gesellschaft nicht sehr vertraut ist. Wie stellen uns oft die Frage, was macht uns krank und wie können wir dies vermeiden. Wir denken also pathogen, mit der Frage, was macht krank. Die Salutogenese geht davon aus, dass dies nicht zielführend ist, weil wir dabei vergessen daran zu denken, was gesund macht. Salutogenese bedeutet also darauf zu achten, was gesund macht. Diesen Gedanken wollen wir hier verfolgen.

Meine Bitte an Dich ist also sehr verwegen:

Denke weniger an Krankheiten, sondern mehr an Gesundheit und überlege Dir, wie Du Deine Gesundheit stärken kannst, und weniger daran, wie Du Krankheiten vermeiden kannst.

Das ist Salutogenese, ganz einfach. Wenn wir das machen, können wir dieses Wort wieder vergessen. Mir gefällt dieses Wort sehr gut, eben weil es so neu und fremd ist. Aber kommen wir zurück zum Thema, Deine Räume machen Dich gesund. Wir stellen uns also die Frage, wie sollen unsere Räume sein, damit sie uns gesund machen. Dazu gehen wir hier auf drei Aspekte ein, die nachweislich gesund machen, nämlich Natur, Beziehungen und Selbstverwirklichung. Um keine Missverständnisse zu erzeugen, gesund machen bedeutet natürlich nicht eine Krankheit heilen, sondern die gesunden Kräfte in uns stärken.

Natur macht gesund

Genau wie die Salutogenese ist auch die Forschung zur Wirkung von Natur bei uns sehr wenig bekannt. Mit Büchern wie der Heilungscode der Natur von Clemens Arvey, werden diese Zusammenhänge langsam bekannter. Ich beschäftige mich seit langem damit, wie unsere Gebäude und Räume, entsprechend diesem natürlichen Heilungscode, gestaltet werden können. Du findest hier einige Grundgedanken dazu:

Forscher haben in vielen Studien festgestellt, dass der Blick in die Natur unsere Gedanken vom Alltagsstress loseist und uns in einen fast meditativen Zustand versetzt. Dieser Zustand trägt dazu bei, dass sich unsere körperlichen Funktionen normalisieren und Anspannung gelöst wird. Dies bewirkt dann einen ganz natürlichen Heilungsimpuls, der in vielen Bereichen deutlich spürbar ist. Das Schöne daran ist, dass wir in der Natur diesen Impuls zwar ganz intensiv merken, dieser sich aber auch in Gebäuden entfalten kann. Dazu brauchen wir jedoch eine entsprechende Gestaltung. Einige dieser Möglichkeiten habe ich bereits in den Artikeln Die Heilkraft der Natur und Wohnen macht gesund beschrieben. So gibt es etwa die Möglichkeit, mit Bildern der Natur, deren Wirkung in unsere Räume zu holen. Dabei sind jedoch das Motiv und die Ausführung des Bildes entscheidend. Das Motiv sollte faszinierend wirken und möglichst eine Naturszene mit sehr viel Weite zeigen. Mehr habe ich in den beiden Artikeln beschrieben.

Auch Bilder haben eine Wirkung

Zu den Hintergründen gibt es so viele Studien, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll. Nachdem es hier um Raumgestaltung geht, möchte ich gerne eine Studie darstellen, die belegt, dass es für unsere Gesundheit einen Unterschied macht, welche Motive wir auf einem Bild betrachten. Roger Ulrich, der Forscher, der auch die bekannte Krankenhausstudie veröffentliche, die belegt, dass Menschen mit einem Blick auf Bäume schneller gesund werden, verglich in einer anderen Studie die Wirkung von Bildern auf die Genesung. Patienten nach einer Herzoperation lagen in Krankenzimmern, die entweder Bilder von Wasser und Bäumen an den Wänden hatten, Bilder mit abstrakter Kunst, oder aber gar keine Bilder. Die Patienten, die Naturbilder betrachten durften, hatten weniger Angst und brauchten auch weniger Schmerzmittel. Das höchste Stressniveau erzeugten die Bilder mit abstrakter Kunst.

Wenn Du Dir also einen Platz für Erholung und Entspannung gestalten willst, empfiehlt es sich, keine abstrakte Kunst zu verwenden, sondern Bilder der Natur.

Dieses Beispiel zeigt uns ganz deutlich, dass alles was wir wahrnehmen auf unser Nervensystem einwirkt und damit eine Wirkung auf die Gesundheit hat. Alle Stressparameter, wie Blutdruck, Pulsfrequenz, Stresshormone wie Cortisol, der Hauswiderstand (zeigt an ob wir schwitzen) usw., werden durch die Wahrnehmung von Natur reguliert, also in den Normalbereich gebracht. Du wirst denken, dies dauert Stunden, bis eine Wirkung erkennbar ist. Weit gefehlt: Der Blick auf ein schönes Naturmotiv bewirkt innerhalb von 40 Sekunden eine Stressregulierung wie eben beschrieben. So würde es sich anbieten, an Deinem Arbeitsplatz ein derartiges Bild anzubringen. Dies sollte in etwa die Größe eines Fensters haben und möglichst auch beleuchtet sein.

Beziehungen machen gesund

Wir hören immer wieder, dass Beziehungen krank machen können, und das stimmt auch. Wenn Beziehungen krank machen können, ist es logisch, dass sie auch gesund machen können. Es kommt auf die Qualität der Beziehung an.

Susan Pinker hat in Ihrem Buch The Village Effekt, das leider nicht in Deutsch erschienen ist, eindrucksvoll beschrieben, welche Kraft hinter wirklichen (face to face) Kontakten von Mensch zu Mensch steht. Sie hat den Grund der Langlebigkeit von Menschen untersucht, und ist dabei auf sizilianische Dörfer gestoßen, die einen großen Anteil an über Hundertjährigen in der Bevölkerung haben. Durch sorgfältige Analyse hat sie heraus gefunden, dass es weder die einfache Lebensweise noch die gesunde Ernährung ist, die dies bewirken, sondern vor allem das Leben in einer dörflichen Struktur und den menschlichen Kontakten, die damit zusammen hängen. Susan Pinker belegt damit sehr anschaulich, was unsere Intuition weiß, nämlich dass Beziehungen gesund machen.

Anonymität macht krank

Andreas Meyer Lindenberg hat in der Zeitschrift „Nature“ beschrieben, dass Menschen, die in Ballungsräumen leben, häufiger an psychischen Erkrankungen, wie Depression oder auch Schizophrenie, leiden, als Menschen, die auf dem Land leben. Die neuropsychologische Forschung hat belegt, dass es eine Kombination von zwei Faktoren ist, die dies bewirken  –   große Dichte in Kombination mit Anonymität. Dies bedeutet also, nicht die Stadt macht krank, sondern die anonymen Wohnformen, die damit zusammen hängen. Und weiter gedacht bedeutet dies, dass wir auch in der Stadt dörfliche Strukturen herstellen sollten, die den Kontakt fördert und Anonymität verhindert. Konkret ist dies mit gemeinschaftlichen Wohnformen wie dem Cohousing möglich.

Räume beziehungsfördernd gestalten

Aber nicht nur in gemeinschaftlichen Wohnprojekten können wir den Beziehungsaspekt fördern, sondern auch in jeder Wohnung und in jedem Haus. Mehr dazu im Artikel Räume verbessern Deine Beziehungen.

Tu etwas dafür, dass es Dir gut geht

Der dritte gesundmachenden Faktor der Raumgestaltung, die Selbstverwirklichung, wird im Artikel „Deine Räume selbst gestalten“ beschrieben. Wenn Du merkst, dass Deine individuelle Raumgestaltung Dir gut tut, erkennst Du auch, dass Du durch Raumgestaltung etwas dafür tun kannst. Die Psychologie nennt dies „Selbstwirksamkeit“, die zu einem zentralen Begriff psychischer Gesundheit geworden ist. Durch die persönliche Raumgestaltung können wir diese Selbstwirksamkeit ganz entschieden stärken. Aber mehr dazu im übernächsten Artikel.

Begreife Deine Welt

Hier noch ein ganz anders gelagerter Wohntipp der Gesundheit: Die Wohnung ist unsere persönliche Welt. Diese Welt sollte auch begreifbar sein, also gut anzugreifen. Nachdem wir unsere Einrichtungen häufig nach optischen Kriterien auswählen, geht die Berührungsqualität meist verloren. Damit haben wir dann Möbel, die wir nicht gerne angreifen, und damit an Lebendigkeit verlieren. Besonders für Hochsensible ist diese Berührungsqualität wichtig. Wir lassen uns gerne berühren, im übertragenen Sinn, und brauchen Dinge, die wir gerne angreifen.

Daher mein Tipp: Gehe greifend durch die Welt. Berühre Dinge und Oberflächen und achte auf Deine Empfindungen. Nur wenn wir dieses Spüren „wieder aktivieren“, werden wir auch die Materialien finden, die uns gut tun. Wenn Du etwas angreifst, und gleichzeitig an die Arbeit oder den letzten Konflikt mit dem Chef denkst, wirst Du nicht merken, was die Dinge mit Dir machen. Nur ein freier Kopf ermöglicht spürende Hände.

Für meine Kunden habe ich die Übung Materialqualität entwickelt, die Du gerne downloaden kannst.

Das Thema Gesundheit wird uns in diesen Blogartikeln immer wieder begleiten und wir werden immer wieder erkennen, dass eine gute Raumgestaltung eine starke salutogene Wirkung auf uns hat.

Viel Freude bei der Stärkung Deiner Gesundheit durch Räume wünscht

Herbert Reichl

Ähnliche Artikel findest Du hier:

Die Heilkraft der Natur

Wohnen macht gesund 

Räume verbessern Deine Beziehungen

 

Kursangebote zum Thema findest Du hier:

2 Kommentare
  1. Monika Richrath
    Monika Richrath says:

    Was für ein schöner Artikel, lieber Herbert. Gerade bin ich umgezogen, jetzt schaue ich hinaus in die Weite und auf grüne Bäume und freue mich nach dem Lesen deines Artikels umso mehr über die schöne Aussicht. Jetzt stöbere ich mal ein wenig in deinen anderen Artikeln herum.

    Liebe Grüße, Monika

    Antworten

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