von Herbert Reichl | Feb 18, 2017 | Planen und Wohnen, Wohnentscheidungen treffen, Wohnqualität
Wohnqualität in allen Lebensphasen ist nur möglich, wenn das Haus sich den verändernden Bedürfnissen anpassen kann.
Beim Bauen stehen wir vor der großen Herausforderung, eigentlich nicht für die Gegenwart, sondern für die Zukunft zu planen. Planen bedeutet ja die Vorwegnahme von Handlungsschritten zur Erreichung eines Zieles. Wenn unser Ziel ist, hohe Wohn- und Lebensqualität zu erreichen, dann macht es Sinn, über spätere Lebensphasen nachzudenken. Auch wenn wir als junge Familien ein Einfamilienhaus errichten wollen, werden wir die meiste Zeit unseres Lebens hier ohne Kinder leben. Dies wird häufig als Argument dafür gesehen, auf die Bedürfnisse der Kinder keine oder wenig Rücksicht zu nehmen. Davor würde ich jedoch abraten, weil die Zeit mit den Kindern der Engpass im Lebenszyklus des Wohnens ist. In dieser Zeit entstehen die meisten Wohnkonflikte und wirken sich schlechte Grundrisse am gravierendsten aus.
Also beginnen wir mit der Phase der jungen und wachsenden Familie, in der meist auch die Eigenheimerrichtung passiert.
Familie mit kleinen Kindern
Familien mit kleinen Kindern brauchen einen Familienraum, in dem sich das aktive Familienleben, das Kochen und Essen, das Spielen, die Geselligkeit, das Zusammensein und auch die Hausarbeit abspielen können. Die Kinderaufsicht soll mit der Hausarbeit einfach zu verbinden sein. Gleichzeitig ist es wichtig, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, damit zur selben Zeit die Kinder aktiv spielen können und doch ein Elternteil abschalten kann. Daher hat sich für Familien mit kleinen Kindern bewährt, den Gemeinschaftsbereich von Kochen – Essen – Wohnen in zwei Räume aufzuteilen, nämlich ein aktives Familienzentrum (Kochen, Essen, Beisammensein, Spielen usw.) und einen passiven Rückzugsbereich, also das Wohnzimmer. Dies steht entgegen dem Trend des offenen Bauens, trifft jedoch die Alltagsbedürfnisse junger Familien exakt.
Der Schlafplatz für kleine Kinder soll Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Auch hier gilt es Fehler zu vermeiden. Eine Schlafnische zu machen hat für Kinder eine hohe Qualität, denn Sicherheit entsteht durch Grenzen. Räumliche Grenzen sind die Grundvoraussetzung um Geborgenheit empfinden zu können. Daher meine Empfehlung: Durch eine Nische und eine niedere Decke kann eine optimale Schlafhöhle für Kinder entstehen. Materialien wie Holz oder Textilien bringen dann noch die nötige Weichheit mit, die das Geborgenheitsempfinden stärken.
Ein aktives Familienzentrum und geschützte Schlafplätze sind also zwei wesentliche Aspekte, damit junge Familien harmonisch zusammen leben können.
Familien mit Jugendlichen
Jugendliche haben im Vergleich zu kleinen Kindern beinahe konträre Bedürfnisse, sie brauchen Distanz und Selbstbestimmung. Wenn die Raumanordnung des Jugendzimmers diese Autonomie fördert, ist das Familienleben stark entlastet. Es sollte möglich sein, gewisse Freiheiten im Kommen und Gehen einzuräumen. Also ist eine Anordnung des Jugendzimmers in Eingangsnähe optimal. Um der natürlichen Entwicklung – von Nähe und Geborgenheit hin zu Autonomie und größerer Distanz – entsprechen zu können, empfehle ich bei der Grundrissgestaltung, dass alle Zimmer mehrfach genutzt werden können. Dies ist meist möglich, wenn alle Zimmer mindesten 14 m2 groß und auch von den anderen Parametern (z.B. Sonnenlicht) in etwa gleichwertig sind .
Nach dem Auszug der Kinder
Nachdem die Kinder ihre eigene Wohnung gefunden haben, gilt es für das Paar den eigenen Lebensraum neu zu gestalten. Wenn bereits bei der Planung bedacht wird, wie dieser Raum dann genutzt werden könnte, kann man sich viel Umbauarbeit ersparen. Die häufig leerstehenden ehemaligen Kinderzimmer, können zwar in der Übergangsphase des ‚Selbstständig Werdens‘ der Kinder noch als Rückhalt dienen, wenn die Kinder zwischenzeitlich wieder mal Zuhause wohnen. Irgendwann stellt sich jedoch die Frage der Nutzung und der Wohnungsgröße für das Elternpaar. Es ist nicht wirklich optimal, Räume pflegen zu müssen, für die es keine Verwendung gibt. Besonders im höheren Alter wird der Erhaltungsaufwand zum Problem, womit wir bei der nächsten Phase sind.
Wohnen im Alter
Im Alter ist ein möglicher Pflegebedarf zu berücksichtigen. Also braucht es eine Wohnmöglichkeit für eine ev. Pflegeperson. Hier könnte ein zu groß geratenes Haus wieder seinen Nutzen bieten.
Neben barrierefreier Raumgestaltung sind auch andere Dinge zu bedenken, wie etwa die Teilbarkeit der Wohnung, die Ebenerdigkeit einer dieser Wohneinheiten und die Nutzung der geteilten Wohnungen. Sollen mehrere Generationen zusammen leben, so ist unbedingt auf getrennte Eingänge und Privatheit beider Haushalte zu achten.
Lebensphasengerechte Planung
Will man für alle Lebensphasen familiengerecht planen und bauen, so ist es notwendig, diese verschiedenen Nutzungsvarianten zu durchdenken. Dies zeichnet nachhaltige und wertvolle Planung aus. Konkret bedeutet dies, keine wesentlichen Bedürfnisse wichtiger Lebensphasen zu übersehen und die notwendige Flexibilität der Nutzung zu gewährleisten. Diese beiden Punkte wollen wir hier nochmals zusammenfassen und konkretisieren.
Zentrale Wohnbedürfnisse in den Lebensphasen
Wie oben bereits beschrieben, verändern sich die zentralen Wohnbedürfnisse im Laufe eines Lebens gravierend und manchmal auch sehr schnell. So kann es sein, dass zwischen der Planungsphase und dem Einzug bereits wesentliche Veränderungen passiert sind. Daher finden Sie hier eine übersichtliche Zusammenstellung der gravierendsten Veränderungen von Bedürfnissen in der Entwicklung von Familien:
- Säuglinge und kleine Kinder brauchen sehr viel Schutz und Geborgenheit. Reizüberflutungen wirken sich hier am gravierendsten aus.
- Vorschulkinder brauchen viele Anregungen und Möglichkeiten für die Entfaltung. Gleichzeitig brauchen sie Sicherheit durch die Anwesenheit der Eltern.
- Schulkinder brauchen neben der Möglichkeit mit anderen Kindern spielen zu können, auch einen Platz für das Hausübung machen. Dies wollen fast alle Kinder im Grundschulalter in der Nähe der Eltern, also am Familientisch und erst später (ca. mit 10 Jahren) im eigenen Zimmer.
- Auch das Bedürfnis nach dem eigenen Zimmer entsteht meist erst im Schulalter zwischen 8 und 10 Jahren. Vorher ist es durchaus eine vernünftige Variante, zwei oder mehrere Kinder in einem Raum schlafen zu lassen.
- Als Jugendliche entwickelt sich der Wunsch nach Entfaltung, hin zu einem Wunsch nach Distanz zu den Eltern, der in den Prozess der Ablöse von den Eltern mündet. Hier ist die Nähe des Jugendzimmers zum Elternschlafzimmer problematisch.
- Betrachtet man die Bedürfnisse der Eltern, so ist es wichtig, Kinderaufsicht und Hausarbeit gut verbinden zu können.
- Gleichzeitig brauchen die meisten Elternteile Rückzugsmöglichkeiten um nicht dauernd verfügbar sein zu müssen.
Zu allen diesen Themen gibt es viel zu sagen, so dass uns für künftige Artikel nicht der Stoff ausgehen wird. Heute wollen wir einen knappen Überblick bieten und mit einigen Empfehlungen für die konkrete Planung schließen.
Planungsempfehlungen für Wohnqualität in allen Lebensphasen
- Um die Bedürfnisse von Eltern und Kindern verbinden zu können, ist es vorteilhaft, den Gemeinschaftsbereich (Kochen – Essen – Wohnen) nicht offen zu gestalten, sondern mit zwei Räumen, nämlich dem Familienzentrum und dem ruhigen Wohnzimmer
- Die Individualräume sollten gleichwertig sein, um eine Umnutzung vornehmen zu können
- Die geplanten Kinderzimmer sollten auch ermöglichen, dass zwei Kinder in einem Raum schlafen
- Um den Bedürfnissen der Eltern nach Auszug der Kinder gerecht zu werden, ist es sinnvoll, das Haus in zwei Wohnungen teilen zu können
Im Arbeitsblatt „Wohnraum – Lebensraum – Entwicklungsraum“ finden Sie einen Überblick zu den hier vorgestellten Themen.
von Herbert Reichl | Jan 29, 2017 | Planen und Wohnen, Wohnentscheidungen treffen
Bauen und Psychologie als Synthese zu betrachten kann viele Probleme lösen.
Um die Ziele des Bauens zu erreichen, sollen, ja müssen das Bauen und die Psychologie zusammen wirken. Wir Menschen sind in der Lage Gebäude zu errichten, die den Zweck haben unsere Bedürfnisse abzudecken. Tiere können dies nur sehr eingeschränkt. Sie bauen auch Höhlen und Nester um sich zu schützen, sind dabei jedoch engen biologischen Grenzen ausgesetzt.
Bei uns Menschen ist das Bauen eine Kulturleistung, mit der wir unsere Lebenswelten bestimmen. Wir können Ziele definieren und dann die entsprechenden Gebäude dazu entwerfen. Der Architekt Le Corbusier hat den „Menschen als das Maß aller Dinge“ bezeichnet, und sich dabei auf wirkliche Maßeinheiten bezogen, also Längen und Breiten. Aus psychologischer Seite können wir feststellen, dass die Architektur damit ringt, den Menschen als die Basis des Bauens zu beschreiben. Der Architektur als Fachrichtung und dem Bauen grundsätzlich fehlt das Wissen, um eine Architekturtheorie zu entwickeln, die den Menschen in das Zentrum rückt. Leider hat der Diskurs der wissenschaftlichen Disziplinen Architektur und Psychologie zu wenig stattgefunden. Dies hat zur Folgen, dass Wesentliches fehlt, nämlich die Orientierung an den grundsätzlichen Zielen des Bauen, die menschlichen Bedürfnisse.
Das Fachgebiet der Wohn- und Architekturpsychologie kann diese Lücke schließen, weil sie der Architektur dieses Wissen zur Verfügung stellen kann. Aber wir wollen uns hier nicht in einer Architekturkritik verlieren, sondern beschreiben, wieso das Bauen die Psychologie unbedingt braucht und was passiert, wenn ohne Psychologie gebaut wird. Dazu wenden wir uns dem Kern dieses Blogs zu, nämlich der Wohnqualität und dem Hausbauen.
Menschliche Bedürfnisse als Grundlage des Bauens
Die Psychologie hat eine detaillierte Darstellung von menschlichen Bedürfnissen zu bieten. Wieso brauchen wir das für die Bautätigkeit? Wenn wir ein Gebäude errichten, so streben wir immer Ziele an. Leider sind diese Ziele meist nicht klar ausformuliert. Betrachten wir die Errichtung eines Einfamilienhauses, so findet vor der Planung häufig folgendes statt:
- Nachdem es um ein Wohngebäude geht, ist das Ziel dieser Bautätigkeit ein gutes Wohnen
- Sowohl Baufamilien als auch Planer gehen davon aus, mit dieser Einstufung eine ausreichende Definition der Planungsziele zu besitzen
- So werden in der Vorbesprechung nur mehr einige Details geklärt, nicht aber wesentliche Parameter des Wohnens angesprochen
Betrachtet man das Bauen von Wohngebäuden als die Errichtung von menschlichen Lebensräumen, so ist es unumgänglich danach zu fragen, was die Qualität dieser menschlichen Lebensräume ausmacht. Damit sind wir bei einem psychologischen Thema gelandet – nämlich den menschlichen Bedürfnissen, die beim Wohnen berührt werden.
Grundlegende Bedürfnisse des Wohnens sind:
- Schutz vor Reizüberflutung in jeder Form
- Geborgenheit und das Empfinden von Sicherheit
- Erholung im Sinne eines Ausgleiches bei Belastungen
- Ein harmonisches Zusammensein mit den Familienmitgliedern
- Selbstbestimmung im Umgang mit Privatheit, sowie der Regulation von Nähe und Distanz
- Einfache Haushaltsführung
- Usw.
Die meisten Planer/innen würden dieser Aufzählung zustimmen, auch wenn sie es nicht so formulieren würden. Trotzdem werden bei all diesen Bedürfnissen des Wohnens häufig Fehler gemacht. Woran liegt dies? In der Architektur gibt es keine hinreichend detaillierte Beschreibung dieser Bedürfnisse und auch nicht davon, wie diese Bedürfnisse durch bauliche Maßnahmen abgedeckt werden können. Dies ist jedoch die Kernkompetenz der Wohn- und Architekturpsychologie. Also ist ein Know-H,ow-Transfer angebracht und notwendig.
Wohnbedürfnisse und Bedarfsplanung
Soll die Wohnqualität von Neu- und Umbauten verbessert werden, so hat die Planungsbranche die Verpflichtung, sich dieses Wissen zu holen, also aktiv an der Einbindung des wohnpsychologischen Wissens zu arbeiten. Dies passiert jedoch nur in Einzelfällen. Stattdessen hat das Bauwesen eine Norm eingeführt, mittels derer jegliche Definition von Planungszielen an den Bauherrn verwiesen wird. Die DIN Norm 18205 – „Bedarfsplanung im Bauwesen“ – gibt zwar einerseits die Notwendigkeit einer Definition des Planungszieles vor, delegiert dies jedoch gleichzeitig an den Bauherrn. Damit wird erreicht, dass Planungsfehler im Sinne von Wohnqualität, also im Sinne des Planungszieles, nicht einklagbar sind. In dieser Norm heißt es: „Wenn es beim Bauen Probleme gibt, liegt das oft an einer ungenügenden Bedarfsplanung. Das heißt, die Bauaufgabe ist ungenügend definiert, die Bedürfnisse von Bauherren und Nutzern werden nicht ausreichend ermittelt und vermittelt.“ Gleichzeitig wird festgehalten, dass diese Bedarfsplanung Aufgabe der Bauherren ist. Der Bauherr weiß jedoch weder von dieser Norm, noch von Bedarfsplanung, noch wird er in der Regel vom Planer/in darüber informiert. Außerdem wird in dieser Norm vom Bauherrn gesprochen, wodurch negiert wird, dass die späteren Nutzer mehrere Personen, vor allem auch Frauen und Kinder, beteiligt sind. Daher werde ich den Begriff Bauherrn hier durch Baufamilien ersetzen.
Planende sollten diese Bedarfsplanung zumindest einfordern, wenn sie diese schon nicht aktiv gestalten. Damit schaffen wir jedoch das Problem des mangelnden Wissens zu den Wohnbedürfnissen nicht aus der Welt.
Beim Hausbau stellt sich dies dann so dar, dass sich Planende und Kunden die Verantwortung für wohnpsychologische Qualität gegenseitig zuschieben. Die Planenden befinden, dass die Baufamilie erst nach einer abgeschlossenen Bedürfnis- und Bedarfsanalyse zu ihm/ihr kommt. Der Kunde befindet, dass der Planende wohnpsychologisches Wissen mitbringt, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht, weil Planende dazu nicht die Ausbildung besitzen. Es entsteht also ein Vakuum hinsichtlich der wohnpsychologischen Qualität bzw. hinsichtlich Wohnqualität. Als Rechtfertigung wird häufig behauptet, Wohnqualität ist etwas rein Subjektives. Dies stimmt jedoch nicht, weil Wohnqualität klar definierten Kriterien folgt.
Um hier Abhilfe zu schaffen, bietet die Wohnpsychologie eine fundierte Bedürfnisanalyse an, die oben beschriebene Bedürfnisse umsetzbar macht.
Diese Bedürfnisse in eine technische Sprache übersetzen
Die Umsetzung von Wohnbedürfnissen erfordert jedoch zwischen Bedürfnisanalyse und der Planung einen Schritt, der im Planungsprozess ebenso, oder sogar noch stärker negiert wird, als die Bedürfnisanalyse, nämlich die Übersetzung von Wohnbedürfnissen in eine Planungssprache. Was bedeutet dies?
Formulieren Sie ein Bedürfnis, wie z.B. das Bedürfnis nach Geborgenheit, so reicht dies nicht aus, sondern es muss sehr genau und detailliert festgehalten werden, was Sie darunter verstehen, wie Geborgenheit für Sie entsteht. Wird dieser Schritt ausgelassen, so bedeutet dies, dass der Planende Geborgenheit nach seinem Verständnis herzustellen versucht. Damit beginnt häufig eine fast endlose Schleife von Versuch und Irrtum, oder anders ausgedrückt, die Planung wird mühsam, weil zwischen Planer/in und Baufamilie scheinbar die Chemie nicht zu stimmen scheint. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Kommunikationsproblem, weil nicht kommuniziert wird, wie bestimmte Bedürfnisse in die Planung einfließen sollen. Beim Planen treten jedoch auch andere Kommunikationsprobleme auf, die das Planungsergebnis in Frage stellen, bzw. den Planungsprozess erheblich erschweren.
Kommunikationsprobleme beim Planen
Kommunikation bei Planungsaufgaben ist ein vielschichtiges Thema, das ich hier für die Situation des Hausbauens näher beschreiben möchte. In diesem Blog können wir das Thema lediglich anreißen, und die Punkte aufzeigen, die zu Kommunikationsproblemen führen können. Dazu unterscheiden wir zwischen innerer Kommunikation aller Beteiligten und der direkten (äußeren) Kommunikation zwischen den Beteiligten.
Innere Kommunikation oder auch innere Klarheit der Planungsfamilie bedeutet Antworten auf diese Fragen zu haben:
- Bin ich mir klar darüber, was ich will und brauche?
- Bin ich mir klar darüber, wie ich dies dem Planer vermitteln will?
Kommunikation zwischen den Beteiligten der Baufamilie bedeutet:
- Kennen wir gegenseitig die Bedürfnisse voneinander?
- Haben wir ausreichend darüber diskutiert, wie ev. divergierende Bedürfnisse in der Planung umgesetzt werden sollen?
Innere Kommunikation des Planers bedeutet:
- Bin ich mir klar darüber, dass meine Vorstellung der Umsetzung dieser Planungsaufgabe nicht unbedingt mit dem Übereinstimmen muss, was die Baufamilie will und braucht
Kommunikation zwischen Baufamilie und Planer bedeutet zu wissen:
- Wie gelingt es alle relevanten Wohnbedürfnisse in das Gespräch einzubinden?
- Wie wird mit unterschiedlichen Vorstellungen in der Baufamilie umgegangen?
- Wie wird mit unterschiedlichen Vorstellungen zwischen Baufamilie und Planer umgegangen?
Lösungswege
Mit diesen Kommunikationsaufgaben haben wir einen Themenbereich geöffnet, der uns in diesem Blog immer wieder begleiten wird. Der grundsätzliche Lösungsweg für eine gelungene Kommunikation in der Planungsaufgabe des Hausbauens liegt im Dreischritt von Bedürfnisanalyse, Planungskonzept und Entwurfsplanung. Dies sind drei zeitlich klar voneinander abgegrenzte Phasen und haben folgende Aufgaben:
Die Bedürfnisanalyse ist eine Phase, in der man noch nicht lösungsorientiert denken sollte, weil dies die Formulierung von Wohnbedürfnissen hemmen würde. Hier geht es darum, mit verschiedenen Methoden, Übungen, Arbeitsblättern, Checklisten usw. möglichst alle wichtigen Wohnbedürfnisse aller späteren Nutzer zu beschreiben. Die Bedürfnisse ev. späterer Benutzer wie Kinder, oder späterer Lebensphasen, einzubringen, sind dabei die Aufgaben eines gut geschulten Experten zum Thema, sei es eine Planer/in, oder eine externe Berater/in aus dem Gebiet der Wohnpsychologe.
Die Erstellung eines Planungskonzeptes ist deshalb notwendig, weil Bedürfnisse in einer persönlichen Sprache formuliert werden, und damit meist die Umsetzung nicht thematisiert wird. Im Planungskonzept erfolgt die Übersetzung der Bedürfnisse in eine technische Planungssprache, hier wird also beschrieben, wie die Umsetzung aussehen soll.
Dieses Planungskonzept bietet die Grundlage für die Entwurfsarbeit. Gleichzeitig ist es ein Korrektiv, und ein Maßstab für die Exaktheit der planerischen Umsetzung. Da im Entwurf der kreative Umsetzungsprozess beginnt, können natürlich weitere wichtige Aspekte auftauchen, die dann in einem laufenden Dialog eingearbeitet werden.
Dieser Lösungsweg ist ohne Wohnpsychologie kaum denkbar und erfordert darüber hinaus spezielle kommunikative Fähigkeiten, die in der Baubranche doch häufig fehlen. Wohnpsychologie ist kein exotisches Anhängsel des Bauens, sondern sollte integraler Bestandteil jedes Planungsprozesses sein, mit dem Ziel die Qualität des Gebauten zu erhöhen.
In weiteren Blogartikeln werde ich auf die Detailfragen eingehen, die sich dabei ergeben.
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